„Ich kann dich nicht retten, nur du selbst bist dazu in der Lage.“

Warum habe ich mich überhaupt entschlossen, diese Webseite aufzumachen – mit 34, im Beruf stehend und ohne wirkliche Erfahrung mit Online-Marketing, ohne nennenswerte Social-Media-Skills oder eine einschlägige Ausbildung im psychologischen Bereich?

Dazu muss ich wohl ein bisschen weiter ausholen: Zuallererst ist mir scheißegal, ob dieser Blog oder mein Social Media für Leute cringe ist oder sonst irgendwie befremdlich wirkt.

Der Punkt, der mir am meisten Sorge gemacht hat, ist dass ich „keine Ahnung“ davon habe, was ich erzähle. Ich kann einzelne Muster bei dir erkennen, die mir bekannt vorkommen, und mir meinen Teil denken – aber ich kann keine ADHS diagnostizieren. Ich kann dir zuhören, wenn du unter etwas leidest und es auf deine ADHS zurückführst, und mich in dir wiedererkennen – aber ich kann nicht erwarten, dass meine Erfahrungen dir automatisch etwas bringen. Ich kann dir sogar Tipps geben, die helfen – aber ich bin niemand, von dem du erwarten kannst, dass er eine Patentlösung hat; niemand, der seriös sagen kann: „Wenn du bei mir in die Sitzung kommst, geht es dir besser!“

Das alles kann ich nicht, darf ich nicht, will ich auch gar nicht. Und das ist verdammt gut so. Was ich aber kann: Meine eigenen Eindrücke teilen, dir erklären, was mir geholfen hat, und versuchen, diese Methoden weiterzugeben – ohne den Eindruck zu erwecken, dass ich dich „heile“ oder „rette“. Das wäre nicht nur hochgradig unseriös, sondern auch faktisch falsch – davon bin ich überzeugt.

„Ich kann dich nicht retten, nur du selbst bist dazu in der Lage.“

Als mir eine Person, die mir sehr viel bedeutet, diesen Satz vor ca. drei Jahren sagte, habe ich ihn nicht verstanden, empfand ihn als unangenehm, hatte Angst und habe versucht, ihn wegzulächeln. Gleichzeitig war er der tatsächlich bewusste Anfang davon, mich mit mir selbst auf so vielen Ebenen auseinanderzusetzen – und vieles dessen, was mich und meine ADHS ausmacht, ganz anders verstehen zu können. Ich werde euch das Ergebnis dieser Auseinandersetzung schon jetzt spoilern: Sie hatte vollkommen recht. Und auch wenn sich unsere Wege inzwischen getrennt haben, bin ich dieser Person dafür dankbarer, als ich es jemals einer anderen Person gewesen bin.

Bevor ich dir erzähle, was mich wirklich antreibt, ein kurzer Disclaimer: Natürlich ist es wichtig, sich Hilfe zu suchen, wenn es einem schlecht geht. Natürlich ist es wichtig, medizinisches Personal aufzusuchen – für den Körper genauso wie für die Psyche –, wenn du gar nicht mehr weiter weißt. Aber auch in diesen Fällen bist DU es, der den ersten Schritt geht und sich sinnvoll Hilfe sucht. Und es liegt genauso an DIR, etwas aus dem zu machen, was dir die Experten mitgeben.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Es kommt niemand, der dir so hilft, dass dein Leben auf einen Schlag leichter wird und das Chaos weniger. Das muss alles von innen kommen.

Was mich antreibt, ist genau das: Ich habe festgestellt, dass es mir immens hilft, meine Gedanken zu sortieren. Sie runterzuschreiben. Mit Leuten zu reden. Meine eigenen Wege und Glaubenssätze zu formulieren, zu hinterfragen, auf den Kopf zu stellen – oder einfach so zu lassen, wie sie sind, wenn sie helfen. Und ich habe gemerkt: Manches davon erweist sich vielleicht auch für dich als sinnvoll – ob mit oder ohne ADHS. Sich Hilfe bei Problemen zu holen, die man dadurch lösen oder in Perspektive bringen kann, hat sich für mich als der richtige Weg erwiesen. Vielleicht ist er das auch für dich.

Jedes Mal, wenn ich höre: „Das ist eine tolle Methode, die hab ich auch probiert und es hat geklappt“ – bin ich glücklich. Jedes Mal, wenn sich eine Perspektive zeigt, die ich noch nicht kannte und die mir ebenfalls hilft – bin ich glücklich. Und das ist die kurze Antwort auf die Frage: Warum das ganze hier?

Ich freue mich, dass du hier gelandet bist, und darauf, dass wir – wenn du Lust hast – gemeinsam darüber reden, was wir getan haben, um uns selbst zu retten, und wo nötig auch darüber, wo wir noch Hilfe brauchen.

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