Weshalb geht es mir und meinem ADHS-Gehirn nach dem Sport so viel besser?

Ich habe mir für heute vorgenommen, für meinen Blog zu schreiben, diverse Videos für die kommende Woche aufzunehmen, den Haushalt zu machen und nebenbei noch vorzukochen, um die kommende Woche sinnvoll auf meine Ernährung zu achten.

Nun, ich habe etwas sauber gemacht – das ist die gute Nachricht. Der Rest? Fehlanzeige. Wo ich mich früher sehr fertig gemacht habe und es heute noch ein wenig tue, versuche ich inzwischen, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Also bin ich raus vor die Tür gegangen und habe einen kleinen Lauf hingelegt. Ich bin eigentlich kein großer Fan vom Joggen, liebe es zwar, Kraftsport zu machen, aber zum Laufen zwinge ich mich jedes Mal. Und doch kam ich dann heim – und hatte mein Thema für ein Reel sowie diesen Text:
Warum hilft mir Sport so sehr dabei, mein chaotisches ADHS-Gehirn runterzubringen?

Es beeindruckt mich selbst, dass ich diesen Text nach 20 Minuten und 3 Kilometern Joggen einfach runterschreiben kann – was ich den Rest des Tages über verschiedenste Wege der Prokrastination nicht hinbekommen habe. Ich werde in diesem Leben kein Arda Saatci mehr, dennoch merke ich: Die Schuhe anziehen und vor die Tür gehen hilft einfach dabei, ins Machen zu kommen. Und wenn ich erst einmal draußen bin, laufe ich auch nicht mehr zurück.

Und ich glaube, das ist der springende Punkt: Ab dem Moment, in dem man ins Machen kommt, klappen auch die Dinge besser, die vorher absolut unerreichbar schienen.

Ich merke nach dem heutigen Lauf: Mein Atem ist entspannter als noch heute Mittag. Mein Kopf dreht sich nicht mehr um die Szenarien, die mich in der kommenden Woche erwarten könnten. Ich ruhe deutlich mehr in mir als davor. Und ich sitze über diesem Dokument.

Und – klar – dafür ist mal wieder Dopamin verantwortlich. Beim Sport wird dieser Neurotransmitter nämlich automatisch verstärkt ausgeschüttet. Doch nicht nur Dopamin kommt ins Spiel, sondern auch Noradrenalin. ADHS ist dadurch gekennzeichnet, dass uns beide fehlen bzw. nur in sehr geringem Maße zur Verfügung stehen, was wiederum zu der für uns so typischen Unaufmerksamkeit führt. Sobald wir uns bewegen, schütten wir beide aus – werden wacher und aufmerksamer. Wenn ich merke, dass ich völlig am Ende bin und nichts mehr geht, belaste ich meinen Körper – und bin danach wieder topfit. Irre, oder?

Und ich merke es nicht nur an meiner Leistungsfähigkeit, sondern ganz besonders an meiner Stimmung. Während ich vorher wirklich nicht gut drauf war, mich mit negativen Gedanken auseinandersetzte und dachte: „Boah, wie konnte ich diesen Tag schon wieder ohne etwas Sinnvolles verbringen?“ – sitze ich jetzt hier, schreibe diesen Text runter und freue mich total darüber, diese Zeilen sowie ein Reel zum Thema auf die Reihe bekommen zu haben und mir etwas Schönes zu essen gemacht zu haben.

Die gute Laune kommt nicht von ungefähr: Beim Sport setzen wir nämlich nicht nur Dopamin und Noradrenalin frei, sondern auch das wundervolle Serotonin. Bei ADHS sorgt Serotonin für eine gesunde Emotionsregulation, besseren Schlaf und Impulskontrolle. Während das Kernproblem bei ADHS in einem Mangel an Dopamin und Noradrenalin liegt, moduliert Serotonin diese Systeme – ein Ungleichgewicht verstärkt häufig Begleitsymptome wie Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen.

Einfach bessere Laune dadurch, dass man zwanzig Minuten draußen gelaufen ist? Ja, manchmal ist es so einfach. Und ich finde das ganz grandios.
Außerdem baut Sport das Stresshormon Cortisol ab – und weniger Cortisol bedeutet, dass wir uns nicht nur kurzfristig weniger gestresst fühlen, sondern langfristig auch besser mit Stress umgehen können.

Alles in allem will ich eines sagen: Ein bisschen Sport hat auf uns ADHSler verdammt großartige Effekte – ganz abseits davon, dass Bewegung jedem Menschen gut tut und für ein gutes Leben unverzichtbar ist. Allein ein Lauf kann dir helfen, dich besser zu fühlen, weniger hart mit dir selbst ins Gericht zu gehen und deine Aufgaben besser zu meistern.

Es gibt übrigens noch viele weitere Effekte, die uns helfen! Zu diesen werde ich wann anders kommen – vermutlich nach der nächsten Sporteinheit!

Natürlich hilft Sport allein auch nur bedingt – aber alles Positive, was du bereits tust, wird durch Bewegung noch einmal potenziert. Für unser Wohlbefinden ein recht geringer Preis, finde ich. Lass uns was draus machen und in unserem eigenen Tempo Bewegung in unseren Alltag integrieren.
Unsere ADHS wird es uns danken!

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